Es ist so still um Griechenland

von Gerhard Spannbauer

Ist es nicht seltsam? Haben wir irgendetwas Interessantes von Samaras Besuchen nach der Sommerpause in Berlin und Paris gehört? Alles, was das Wahlvolk aus den Kreisen der Mächtigen erfahren durfte war, dass der griechische Regierungschef wahrscheinlich um eine Fristverlängerung für das verordnete Sparprogramm ersuchen will. Seitdem hängt eine undurchdringliche Wolke des Schweigens um Reichstagsgebäude und Kanzleramt. Frau Merkel bescheinigt Herrn Samaras - einfach so - ernsthaften Reformwillen. Aufgrund welcher überzeugenden Taten denn plötzlich? Das ist seltsam.

Seit gestern sind die ersten Mitarbeiter der berühmt-berüchtigten Troika in Athen. Jetzt soll gnadenlos kontrolliert werden, was die Griechen wirklich an vereinbarten Maßnahmen umgesetzt haben. Das Erste, was wir gestern gleich als Auftakt erfahren durften, war, dass der Troika-Bericht wahrscheinlich erst im Oktober veröffentlicht werden kann. Steht diese Verzögerung im Zusammenhang mit der im September zu erwartenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes?
Die
offizielle Begründung macht jedenfalls stutzig: Es heißt, die Experten der Prüfungskommission wollen erst noch die Ergebnisse der Privatisierungsvorhaben der Athener Regierung abwarten, die im September umgesetzt würden. Soll das wirklich ernst gemeint sein?

Wie ich Ihnen schon berichtet habe, war die mit viel Tamtam aufgeführte Verkaufsveranstaltung der staatlichen Betriebe und Besitztümer an private Investoren in Athen ein einziger Fehlschlag. Kein Wunder: die Staatsbetriebe sind unrentabel, viel zu viele Beschäftigte in unkündbarer Stellung, die schon vorsorglich Generalstreiks für den Fall von Entlassungen ankündigten. Drückende Lasten an Pensionsgeldern fressen selbst da, wo es sie gibt, die mageren Gewinne sofort auf. Die Betriebsmittel sind veraltet, eine Kostenkontrolle so gut wie unmöglich, die Belegschaft jedem privaten Investor feindlich gesonnen, Innovationen und Sparbemühungen nicht durchsetzbar.

Die von Tsipras, dem Chef der Linken, vorgetragene Drohung, man werde sich die griechischen Kleinodien von den privaten Investoren im Falle eines Wahlsieges kurzerhand zurück beschlagnahmen, tat ein Übriges. Welcher Experte bei Trost glaubt denn unter diesen Bedingungen ernsthaft an plötzliche Milliardeneinkünfte durch den Verkauf von staatseigenen Betrieben?
http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-troika-bericht-moeglicherweise-erst-im-oktober/7058180.html

Mit einer Entscheidung, ob Griechenland tatsächlich die nächste Tranche des Hilfspaketes von 31,5 Milliarden Euro erhält, ist also frühestens im Oktober zu rechnen. Das lassen einstimmig Jean-Claude Juncker und die Athener Regierung wissen. Nanu? Hieß es nicht, spätestens am 20. August geht Griechenland endgültig das Geld aus?
http://www.n-tv.de/mediathek/videos/wirtschaft/Griechenland-geht-das-Geld-aus-article6865061.html
http://www.stern.de/wirtschaft/griechenland-geht-das-geld-aus-1869018.html

Am 31. Juli schlug der griechische Vize-Finanzminister Alarm:Die Barreserven sind fast bei null!. Man könne schon kaum mehr die Polizei, die Beamten, Rentner und Sozialleistungen bezahlen. Und dann komme noch eine Ablösung von Staatsanleihen über 20 Milliarden Euro dazu. Mit dem unkontrollierten Absturz in den Staatsbankrott war stündlich zu rechnen. http://www.handelsblatt.com/politik/international/vize-minister-schlaegt-alarm-griechenland-geht-das-geld-aus/6944394.html

Jetzt haben wir Ende Augustund nichts ist passiert. Griechenland fragt nicht einmal nach Geld.

Unterdessen prescht CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt mit der Aussage vor, er sehe Griechenland 2013 außerhalb der Eurozone und löst damit ein derartiges Entsetzen aus, dass die Vermutung sich geradezu aufdrängt, er habe vorschnell etwas ausgeplaudert. Kanzlerin Merkel orakelte dazu nur, man befände sich in einer sehr entscheidenden Phase der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise und deshalb glaube ich schon, wir sollten alle unsere Worte wägen. Was sich so salbungsvoll anhört, bedeutet wohl im Moment hängt alles am seidenen Faden und damit nicht der ganze Laden auseinander fliegt, hat gefälligst jeder eisern die Klappe zu halten.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-08/dobrindt-griechenland-csu

Was geht da vor sich? Ich vermute stark, dass weder Frau Kanzlerin noch sonst irgendjemand weiß, wie man nun mit dem Riesenproblem umgehen soll, dass Deutschland in Wirklichkeit bereits mit einer Billion Euro für die ganze Griechenland-Misere haftet. Dieser Schock ist bisher noch gar nicht im Bewusstsein der Bürger angekommen. Informierte Zeitgenossen kennen vielleicht die Summe der griechischen Staatsschulden: ca. 315 Milliarden Euro (falls das überhaupt stimmt). Woher kommt jetzt die Horrorzahl von einer Billion?

Das ist ganz einfach: Hier kommen die untereinander verflochtenen Banken ins Spiel. Investoren, Banken, Hedgefonds und Credit Default Swaps (CDR), die Target2-Salden der Bundesbank bei der EZB, die faulen Sicherheiten für die Target-Krediteall dies spielt eine Rolle in dem ganzen Geflecht von Haftungen, Verlusten, Geldanlagen und Versicherungen. Dieses verwobene System ist nicht nur für den normalen Bürger undurchschaubar geworden. Auch die Experten überblicken nicht mehr die Auswirkungengeschweige denn die Politiker.
http://www.boerse-go.de/nachricht/SPD-Politiker-Deutschland-haftet-schon-jetzt-mit-Billion-Euro,a2899659,b117.html
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/rettungspolitik-spd-deutschland-haftet-in-eurokrise-mit-einer-billion-euro-11856795.html

Sollte diese Zahl stimmen, ist sowohl ein Schuldenschnitt, als auch eine Rettung Griechenlands unmöglich. Damit sind alle Lösungswege versperrt. Niemand kann Griechenland noch weiter finanzieren. Auch mit Zuckerbrot und Peitsche wäre dafür keine Zustimmung mehr durch den Bundestag zu erzwingen. Ginge Griechenland aber in den Staatsbankrott, würden die Haftungen für Deutschland (und alle anderen Bürgen) schlagend, die Bundesrepublik wäre als letzter Bürge im Anschluss ebenfalls bankrott und die Eurozone somit erledigt.
Kann das der Grund sein, warum es so still ist um Griechenland?

Die großen Banken und Unternehmen wissen Bescheid und wappnen sich. Man hält Bargeld statt Guthaben auf Konten und das am liebsten in Schweizer Franken.
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Firmen-wappnen-sich-mit-Bargeld-gegen-die-Krise/story/25586563

Man spricht nicht groß darüber, aber man bereitet sich für den Crash des Euro vor. Man probt die Wiedereinführung der nationalen Währungen und grenzt sich juristisch von Tochtergesellschaften in den defizitären EU-Ländern ab. Schotten dicht heißt das in der Seefahrt. Man verlagert seine Schulden in diese Länder und holt die Guthaben nach Hause. Einen Austritt Griechenlands hat man schon längst als überfällige Hausaufgabe erledigt und fertig vorbereitet. Jetzt geht es um den Euro-Kollaps. Gibt es einen Nord- und einen Süd-Euro? Oder geht die Gemeinschaftswährung gänzlich fliegen?
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/banken-und-konzerne-die-heimlichen-plaene-fuer-den-euro-crash-11867936.html

Überall auf der Welt bereitet man sich hektisch vor. Außereuropäische Banken und Konzerne kappen vorsichtshalber alle Verbindungen in die Eurozone. Amerikanische Geldhäuser schotten sich möglichst wasserdicht von den europäischen ab, so Jürgen Fitschen, Co-Vorsitzender im Vorstand der Deutschen Bank AG und des Group Executive Commitees dieses Instituts.

Commerzbankchef Blessing bemerkte hierzu kühl, dass jedes Geldinstitut seinen Notfallplan für den Fall eines Eurokollapses fertig ausgearbeitet habe. Man finde wohl kaum eine Bank, die keinen in der Schublade liegen hat.

Die Banken der überschuldeten EU-Südschiene sind seit Wochen schon vom internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten und werden nur noch notdürftig von der EZB in Funktion gehalten.http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/10690-banken-vorbereitung-auf-euro-crash

Unternehmensberater wie Capco, Boston Consulting Group und Bloomberg haben schon Handbücher verfasst, die sie ihren Mitarbeitern und Kunden anbieten. Darin werden alle möglichen Fragen und Empfehlungen aufgeführt, was man im Falle des Eurocrashs zu beachten hat. Es gibt auch FAQs (oft gestellte Fragen), die der Kunde bei Bloomberg auswählen kann, um sich über alle Eventualitäten des Währungszusammenbruchs zu informieren.
http://www.format.at/articles/1234/933/339214/handbuch-euro-exit

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